Cute aggression: Warum man die Zähne fletscht, wenn man etwas niedlich findet.
Ein wahrlich verblüffendes Phänomen und eine der Übersprungshandlungen unseres sonst so rationalen Oberstübchens: Cute Aggression.

Was ist da los in unserem Kopf?
Du siehst einen Hundewelpen, der mit seinem Welpenbruder schmust oder ein kleines Kind, wie es fröhlich vor sich hin quiekt. "Es ist so niedlich, ich könnte es auffressen", sagst du und fletschst dabei die Zähne. Hoppla? Das war eine brutale Aussage gepaart mit aggressivem körperlichen Verhalten. Natürlich frisst du Welpen oder Baby nicht auf, sondern streichelst sie und deine Anspannungen lösen sich auch nach wenigen Sekunden wieder. Aber wieso hast du überhaupt so reagiert?
"Cute Aggression" klingt eigentlich völlig absurd. Doch der ungewöhnliche verbale (und manchmal auch physische) Ausbruch von Aggression beim Anblick extrem süßer Dinge erfüllt eine wichtige Funktion im Gehirn.Für manche Menschen haben der Anblick von niedlichen Kindern, Tieren oder Gegenständen einen so starken Einfluss, dass eine Flut überwältigend positiver Gefühle durch das Gehirn strömt, was vorübergehend wie lähmend wirken kann. Wer in einem solchen Moment tief in der Bewunderung für etwas Schönes versinkt, hat keine Kapazitäten mehr für andere, für das Überleben wichtige Funktionen: Wachsamkeit, Konzentration, die Umgebung auf Gefahren abtasten, Hören, Riechen, rational Denken.
Um sicherzustellen, dass wir schnell wieder auf die Realität zurückkehren – egal wie niedlich das Eichhörnchen im Wald ist – kontert das Gehirn die positiven Niedlichkeitsgefühle mit ihrem Gegenspieler: Aggression. In diesem kurzen, verwirrenden Moment, in dem man noch ganz von der Niedlichkeit eingenommen ist, äußert man reflexartig das, was einem das Gehirn gerade vorgibt: "Meine Tochter ist heute so süß, ich würde am liebsten von ihr abbeißen!"
Das Gehirn will uns vor den Folgen übermäßiger Niedlichkeit schützen. Entsprechend wird jedoch nicht gehandelt, denn sobald der betäubende Rausch der Niedlichkeit erfolgreich abgeklungen ist und wir wieder fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, stoppt das Gehirn die Ausschüttung der intensiven Botenstoffe. Diese haben ihren Zweck erfüllt – wir sollen schließlich nicht so lange in Verzückung verharren, dass wir Gefahr laufen, vom Zug überrollt zu werden.
Von diesem verwirrenden Prozess ist nur ein bestimmter Teil der Menschheit betroffen: Diejenigen, auf die niedliche Dinge einen besonders starken Einfluss haben. Daher besteht kein Grund zur Sorge, wenn in Ihrem Umfeld jemand unter "Cute Aggression" leidet – er ist einfach besonders empfänglich für süße Eindrücke. Quelle: Psychologie: "Cute Aggression" – warum uns süße Dinge wütend machen | STERN.de




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